Fototechnik
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Diafilmentwicklung

Diafilmentwicklung ist kompliziert und vor allem empfindlich. Es macht keinen Sinn, von Hand zu entwicklen. Es ist schwierig und teuer. Die Temperaturen müssen extrem genau eingehalten werden. Man braucht Geduld und viel Zeit. Für einen oder zwei Filme pro Woche lohnt sich der Aufwand nicht. Oder?

Ich mache weniger als einen Film pro Woche, habe keine Entwicklungsmaschine und mache es trotzdem – und zwar mit ganz normaler Kippentwicklung in der Dose. Schwierig ist es auch nicht, gegenüber der Schwarzweiß-Filmentwicklung gibt es sogar einen entscheidenden Vorteil: Der Prozess ist standardisiert, das bedeutet in der Praxis: Egal, welchen Diafilm man entwickeln möchte, man entwickelt einfach nach dem „Waschzettel“ und es passt. Und die Toleranzen sind auch nicht so gering, wie immer behauptet wird…

Das „Kit“

Das „3-Bad-Kit“ in der 1-Liter-Version

Ich verwende das sogenannte 3-Bad-Kit von Tetenal, es heißt wohl so, weil es aus den vier Bestandteilen Erstentwickler, Farbentwickler, Bleichfixierbad und Stabilisator besteht. Es soll auch ein Kit von Kodak geben, die mir bekannten Händler bieten aber das Tetenal-Kit in der 1-Liter-Version für 12 Filme oder in der 5-Liter-Version für 60 Filme an (1 Liter bezieht sich dabei natürlich auf die Menge der Gebrauchslösung). Da man problemlos Teilansätze herstellen kann, lohnt es sich, das 5-Liter-Kit unter Freunden zu teilen, da es nur etwa 2x soviel kostet wie die 1-Liter-Version.

Ansetzen der Gebrauchslösung

Wenn man keinen großen Durchsatz hat, ist man umso besser dran, je weniger Gebrauchslösung für die Filmverarbeitung braucht. In der kleinen Jobo-Dose brauche ich 250 ml, damit ergibt das 1-Liter-Kit 4 Teilansätze für jeweils 3 Filme, die jeweils innerhalb von 2 Wochen verarbeitet werden müssen. Die Konzentrate werden in den angebrochenen Fläschchen mit Protectan geschützt und halten so mehrere Monate. Alternativ könnte man auch die Konzentrate von vornherein auf kleinere Glasfläschchen aufteilen und so die vorerst nicht benötigten Mengen vor Oxidation schützen.

Verwechslungssichere Beschriftung ist kein Fehler

Für die Gebrauchslösungen habe ich mir 250ml-Weithalsflaschen besorgt, die benötigten Mengen aus den Originalflaschen entnommen und mit Baumarktwasser aufgefüllt. Zum Abmessen gibt es nette kleine Plastikmensuren im Fotohandel für wenig Geld oder elegante Messpipetten im Laborbedarf, die sind praktisch, sehr genau und auch nicht teuer. Kaum hat man die vier Komponenten angesetzt, kann’s auch schon losgehen!

Die Temperatur

Die beiden Entwickler arbeiten bei 38°C, das Bleichfixierbad möchte 36°C, der Stabilisator akzeptiert’s auch kühler. Dazu fülle ich eine Plastikwanne mit etwa 40-42° warmem Wasser, stelle die Fläschchen rein und schmeiße das Laborthermometer daneben ins Wasser. Jetzt ist erst mal Zeit, sich anderen Dingen zu widmen, wie Film einspulen, Kaffee trinken oder ein Bier aufmachen. Wenn sich die Temperatur des Mantelbads der 38° nähert, öffne ich den Erstentwickler und stecke das Thermometer rein. Je nach Temperatur schöpfe ich Wasser aus dem Mantelbad und schütte noch etwas heißes oder kaltes Wasser nach.

Gebrauchslösungen im Mantelbad

Hat der Erstentwickler wenige Zehntel über 38° fange ich mit der Entwicklung an. Die Dose habe ich davor kurz außen mit heißem Wasser abgespült, damit der Entwickler beim Eingießen nicht zu sehr abkühlt. Wenn die Dose dann mal zu ist, verliert man nur mehr ein paar Zehntel Grad. Aber nachdem ich die Dias nicht projiziere sondern einscanne, wären auch leichte Farbabweichungen nicht so dramatisch

Übrigens: Das Laborthermometer sollte schon eine 0,1°-Teilung haben. Gerade bei 38° kann man es gut mit einem Fieberthermometer vergleichen.

Prozessablauf

Die Zeiten für den ersten Film (die weiteren siehe Tetenal-Anleitung):

  • 6:15 Erstentwickler
  • 2:00 Wässern
  • 6:00 Farbentwickler
  • 2:00 Wässern
  • 6:00 Bleichfixieren
  • 4:00 Wässern
  • 1:00 Stabilisieren
  • Schlusswässern nach „Ilford-Methode“

Bereit zur Verwendung?

Während der Erstentwickler arbeitet (statt alle 15 Sekunden 1x zu Kippen bevorzuge ich jede Minute 4x Kippen) kümmere ich mich um die Temperatur des Farbentwicklers. Wer einen Wasserkocher hat, kann auch damit eine Portion heißes Wasser bereithalten, um gegebenenfalls die Temperatur kurzfristige zu pushen. Außerdem richte ich für die Zwischenwässerung eine Portion temperiertes Wasser her und wässere jeweils nach der Methode: Wasser rein, ein paar mal kippen, Wasser austauschen, usw.

Nachtrag: Die ursprünglich angegebene Schlusswässerung ist Blödsinn, die ruiniert lediglich den Sinn der Stabilisierung. Also nach dem Stabilisierbad kein Wasserkontakt mehr!

Grob gesagt dauert der Ablauf eine halbe Stunde, inklusive der Vorbereitungen ist ein Diafilm in einer Stunde fertig, um zum Trocknen in die Dusche gehängt zu werden. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Was kann schiefgehen?

Ein paar Hinweise noch, wie man das Ergebnis doch noch verbocken kann – spätestens wenn etwas Routine einkehrt, macht man ja am ehesten die ersten Fehler…

Der Erstentwickler ist chemisch am empfindlichsten. Er darf auf keinen Fall auch nur geringste Mengen des Fabentwicklers abbekommen. Es ist also z.B. keine gute Idee, das Thermometer abwechselnd in den Farb- und dann wieder in den Erstentwickler zu stecken. Ebenso ist der Erstentwickler angesetzt am wenigsten lange haltbar. In der randvollen Flasche ist er nach der ersten Verwendung noch 2 Wochen lang haltbar. Entwicklungszeit und Temperatur bestimmen die Empfindlichkeitsausnutzung, sind aber nicht so kritisch: Für einen Push oder Pull von 1 Blende muss man immerhin die Zeit um 25% ändern.

Die Trophäe hängt in der Dusche

Kritisch beim Farbentwickler ist, dass man die beiden Komponenten genau abmisst, ansonsten kommt es zu Farbänderungen. Ebenso sollte die Temperatur möglichst genau passen. Dafür ist es mit der Haltbarkeit des Ansatzes schon weniger kritisch. Ab diesem Entwicklungsschritt werden die Toleranzen immer größer. Beim Bleichfixierbad ist noch die größte Gefahr, dass man sich die Kleidung damit versaut. Stabilisator, Schlusswässerung und Netzmittel verwende ich auch einfach in der Entwicklungsdose, obwohl von manchen davon abgeraten wird – ich hatte bisher noch keine Probleme damit.

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