Blog, Fototechnik

Zeiss Ikon ZM

Manchmal kann man einen Fehler auch wieder gut machen. Den Verkauf meiner Zeiss Ikon ZM habe ich nach einiger Zeit schon wieder bereut, aber jetzt ist es damit vorbei: Ich hab sie mir wieder gekauft. Eine Beschreibung meines alten/neuesten Schätzchens, bei dem ich zugegebenerweise nicht ganz objektiv bin.

Kleinbild, Messsucher, M-Bajonett

Zeiss Ikon ZM mit C Sonnar 50/1,5

Meine Vorliebe gehört den möglichst einfachen Kameras: Fokus, Blende, Belichtungszeit – darauf reduziert sich im besten Fall die Einstellungsarbeit vor der Aufnahme. Die Zeiss Ikon ZM kommt diesem Ideal relativ nahe, außer diesen dreien gibt es nur noch einen Ein-/Ausschalter am Auslöser und eine Taste zur Messwertspeicherung. Und natürlich einen Aufzugshebel und einen kleinen Schieber, um die Rückwand zu öffnen. Es muss ja nicht immer ein Bodendeckel sein… Die Gehäuseform ist für das Halten mit der rechten Hand nicht optimal, mit dem Seitengriff lässt sich das aber verbessern. Zusätzlich steht die Kamera dann mit angesetztem Objektiv besser und das Stativgewinde “wandert” damit in die Mitte.

Vergleiche

Verglichen mit der Leica M7 fehlen der Selbstauslöser und die TTL-Blitzsteuerung. Verglichen mit der Bessa-Serie von Voigtländer fehlen Sucher-Varianten – aber was den Hersteller angeht (Cosina), könnte man die Zeiss Ikon ZM ohnehin als Edel-Schwester der Bessas bezeichnen. Verglichen mit einer Spiegelreflex fehlen Tele-Brennweiten über 85mm und für Weitwinkel unterhalb 28m braucht man einen Aufstecksucher.

Der Sucher

Sucher und Taste für Messwertspeicher

Verglichen mit der Leica M9 ist der Sucher einfach hell und riesengroß und macht einfach Freude. Das Messfeld wandert mit dem Parallaxenausglich nicht mit (macht nix), die Anzeige für die Belichtungszeit ist ganz links und bei hellem Licht nicht besonders gut zu erkennen (macht schon was). Die Okularlinse kann man abschrauben und austauschen, es gibt Linsen von -3 bis +3 Dioptrien, die man nachkaufen kann, wenn sich die Linse löst und verlorengeht – was manchmal passiert. Noch flüchtiger ist die gesteckte Abdeckung für die Blitzsynchronbuchse, aber die ist nicht sehr spielentscheidend.

Die Kommandozentrale

“Mutifunktionales” Zeitenrad

Genial gelöst ist die Kombination von ISO-Einstellung, Belichtungszeit und Zeitautomatik mit Belichtungskorrektur in einem Element. Praktisch und selbsterklärend, so muss eine Kamera gebaut sein, damit der Umgang damit Spaß macht. Dazu noch Hauptschalter, Auslöser und Aufzugshebel – das ist mehr oder weniger die gesamte “Kommandozentrale” der Kamera. An der Vorderseite wären da noch die Entriegelung für das Objektiv und der Hebel für die Einspiegelung der Sucherrahmen – der aber nach Betätigung immer wieder in die Stellung zurückspringt, die das Objektiv übermittelt. Die Rückseite bietet eine konventionell zu öffnende Rückwand und die unter dem Blitzschuh angeordnete Taste für die Speicherung des Belichtungsmesswerts. Die Position letzterer finde ich nicht so ergonomisch, für mich könnte sie etwa 1 cm weiter links liegen.

Die Objektive

Entriegelung, Schärfentiefenskala, Sucherrahmen-Hebel (v.l.n.r.)

Zeiss hat ein fein sortiertes Angebot an Objektiven von 15 bis 85 mm Brennweite. Blendenring mit 1/3-Rastungen, Fokusring mit weitem Drehbereich, Schärfentiefenskala – alles wirklich läuft sauber und ist praktisch angeordnet. Mit feinkörnigem Film oder an der Leica M9 lohnt es sich allerdings, eine Blende weniger Schärfentiefe anzunehmen als angegeben, wenn man größere Formate ausgeben will. Neben dem Objektiv ist dieser Hebel, mit dem man zwischen den verschiedenen Sucherrahmen umschalten kann, aber nicht muss, weil der passende Sucherrahmen beim Ansetzen des Objektivs automatisch eingestellt wird. Man kann damit aber – bevor man das Objektiv wechselt – sehr schnell alternative Bildausschnitte durchprobieren.

Fazit

Die Zeiss Ikon ZM ist für mich die beste Messsucher-Kamera für das Kleinbildformat. Der Sucher ist einfach herrlich und deutlich größer und angenehmer als z.B. jener der M9. Die Bedienung ist einfach praktisch, die erwähnten kleineren Fehler sind für mich persönlich nicht so wesentlich. Aber ich habe ja schon anfangs darauf hingewiesen, dass dieser Bericht nicht ganz objektiv ist…