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Lightroom – Ordner oder Sammlungen?

LightroomSoll ich meine Bilder (wie seit jeher gewohnt) auch mit Lightroom in einer gepflegten Orderstruktur ablegen, oder ist das einfach nur altmodisch und unpraktisch und überhaupt gänzlich amateurhaft? Diese Frage wird immer wieder (berechtigterweise) diskutiert und natürlich gibt hier nicht einfach “richtig” oder “falsch”, bestenfalls Vor- und Nachteile für die jeweilige Methode. Ich habe beide Varianten in der Praxis ausprobiert und möchte euch meine Erlebnisse dabei nicht vorenthalten 😉

Wer seine Fotos gut strukturiert ablegen möchte, sollte das am besten unter Zuhilfenahme folgender Fragen tun:

Wann? — Wo? — Was? — Wofür?

Wann (wurde das Bild aufgenommen)? – Die Frage ist im Digitalzeitalter durch die EXIF-Daten erledigt – falls Datum und Zeit an der Kamera richtig eingestellt sind. Falls nicht oder falls die Bilder analog entstanden sind, lässt sich das ja durch die Scansoftware einstellen oder in Lightroom noch korrigieren.

Wo (wurde das Bild aufgenommen)? – Die Geodaten bekommt man mit den meisten Kameras leider nicht so automatisch, aber es gibt natürlich Abhilfe: Entweder man kauft sich einen Geologger, den man beim Fotografieren (angeschaltet!) mit dabei hat und spielt die Daten dann bei der Verarbeitung der Bilder in Lightroom dazu ein, oder man gibt die Ortsdaten gleich im Modul “Karten” manuell ein. Oder man kann’s natürlich auch lassen.

Was oder wer (ist auf dem Foto zu sehen)? Das ist die einzige Frage, die mit Stichwörtern beantwortet werden darf. Im Klartext heißt das: Nur was auf dem Foto zu sehen ist, darf ein Stichwort sein.

Wofür (wurde das Foto überhaupt gemacht)? Abgesehen davon, dass man sich diese Frage immer wieder stellen sollte, ist das der Punkt, wo die Sammlungen ins Spiel kommen. Ob Familienchronik, Kundenauftrag, Reisebericht – jedes Foto kommt einfach in eine (oder mehrere) passende Sammlung(en) und die werden wiederum hierarchisch in Sammlungssätzen geordnet.

Das war’s. Aber halt: Ein Ordnungskriterium ist bis jetzt überhaupt nicht vorgekommen: Die Ordnerstuktur. Die ist nämlich im optimalen Fall völlig unerheblich, man macht am besten automatisch Ordner beim Import nach Jahr und Monat und wer will sogar noch per Tag. Dann kann man die Ordner (von Lightroom aus!) bei Bedarf und je nach vorhandenem Speicherplatz beliebig an andere Orte verschieben und das hat mit dem Organisieren und Wiederfinden der Bilder gar nichts zu tun!

Zweiter Vorteil der Organisation in Sammlungen: Ein Bild kann für mehrere Zwecke verwendet werden, dann kann es auch in verschiedenen Sammlungen abgelegt werden – mit Ordnern geht das nicht ohne eine physikalische Kopie der Datei!

Dritter Vorteil der Organisation in Sammlungen: Im Entwickeln-Modul kann auf alle Bilder in der Ordnungsstruktur zugegriffen werden, ohne zwischendurch immer wieder in das Bibliotheksmodul wechseln zu müssen.

Die Praxis

StrukturNun habe ich in meinem Ordnungswahn meine Bestände umsortiert: Für jeden Verwendungszweck habe ich eine Sammlung angelegt, Sammlungen in Sammlungssätzen logisch zusammengefasst und Sammlungssätze wieder in übergeordneten Sammlungssätzen zusammengefasst. Die in Sammlungen geordneten Bilder habe ich dann in eine einfache Jahres- und Monatsbezogene Ordnerstruktur verschoben. Dann habe ich versucht, in dieser neuen Struktur zu arbeiten: Bilder entwicklen, fertige Bilder exportieren, alles natürlich wie gewohnt. Bilder nachträglich umzuorganisieren, aussortieren oder zu verschieben – das geht nicht mehr wie gewohnt:

🙁 Fotos verschieben: Wenn man ein Bild von einer Sammlung in eine andere verschiebt, ist das Bild anschließend in beiden Sammlungen. Will man wirklich nur verschieben, muss man anschließend wieder zurück und das Bild aus der ersten Sammlung entfernen

🙁 Fotos löschen: Man kann ja aus einer Sammlung heraus ein Bild nicht unmittelbar löschen, es nur aus der Sammlung entfernen. Nun könnte man statt löschen die Bilder immer aus der Sammlung entfernen und von Zeit zu Zeit alle Bilder, die in keiner Sammlung sind, löschen. Alternativ kann man auch statt zu löschen die Bilder als abgelehnt kennzeichnen und gelegentlich die Funktion “Abgelehnte Fotos löschen” verwenden. So weit noch ganz gut – mein Problem dabei ist aber: Bei der Organisation in Sammlungen können Original und virtuelle Kopie unabhängig voneinander in verschiedenen Sammlungen liegen. Irgendwann kennzeichnet man ein Original in einer Sammlung als abgelent, weiß aber nicht mehr, dass davon eine virtuelle Kopie ganz woanders liegt, die Variante soll aber gar nicht gelöscht werden. Wenn man dann mal alle abgelehnten Bilder löscht, verschwindet aber auch alle virtuellen Kopien dazu.

🙁 Die ganze Ordnung liegt im Lightroom-Katalog. Ansonsten ist es ja so: Die Enwicklungseinstellungen, Stichwörter, Titel, Geodaten, alles liegt in den Metadaten der Bilddateien oder in XMP-Files. Man kann Lighroom mitsamt dem Katalog wegwerfen, neu installieren, alles in einen neuen Katalog wieder importieren – und alles wirklich Wichtige ist wieder da. Was allerdings fehlt, sind die Sammlungen, wenn also die gesamte Ordnungsstruktur in Sammlungen besteht, ist der Lightroom-Katalog “lebenswichtig”. Das finde ich nicht so sympatisch.

Meine Konsequenz daraus

Ich bin zur alten Methode zurückgekehrt. Die “Wofür”-Frage wird jetzt wieder durch eine hierarchische Ordnerstruktur geklärt. Am ehesten stört mich noch dabei, dass jetzt Bilder nur entweder hier oder da liegen können, aber in der Praxis hat eine Fotoserie immer einen primären Zweck und nach diesem richtet sich auch der Platz, wo die Bilder abgelegt werden. Wenn dann auch noch nach Zeit, Ort und Inhalt des Fotos gesucht werden kann, ist es nicht so schwer, auch über die Ordnerstruktur hinweg erfolgreich zu suchen.

Sammlungen verwende ich trotzdem noch: Normale, um Bilder für Veröffentlichungen zusammenzustellen, die ich aus verschiedenen Ordnern zusammensuche (Ausstellung, Fotobuch, Diashow) und Smart-Sammlungen, um Bilder für bestimmte Bearbeitungsschritte zu filtern: Bilder, die noch keine Stichworte oder keine Geodaten haben, Bilder die belichtet werden sollen oder die Belichtung noch kontrolliert werden muss (Farbmarkierung), oder was man halt sonst so immer wieder mal rausgesucht haben möchte.

Was sind eure Erfahrungen und Vorlieben?