Filme digitalisieren ist nicht schwer

Wenn man beginnt, analog zu fotografieren, ist aller Anfang recht einfach. Eine analoge Kamera ist nicht teuer und meist auch nicht sehr kompliziert zu bedienen. Den ersten Schwarzweißfilm zu entwickeln, gelingt auch mit wenig Mühe: Im Welchselsack den Film einspulen, Entwickler, Stoppbad, Fixierer, Wässern und fertigen Film in der Dusche aufhängen – dafür gibt es viele Anleitungen. Aber wie geht’s weiter, wenn man keine eigene Dunkelkammer hat? Hybrid-Workflow heißt die Lösung und bedeutet: Film digitalisieren, Bilder digital bearbeiten und drucken oder belichten lassen. Will man Filme qualitativ gut digitalisieren, so sagt man, kommt man um einen guten (und leider teuren) Filmscanner nicht herum. Mir ist aber ein Filmscanner zu teuer und vor allem zu langsam, deswegen fotografiere ich die Filme ab: bei mir ist ein 36er-Film in weniger als 10 Minuten digitalisiert. Und so sieht die Sache im Detail aus:

Kamera

Bei der Kamera denken viele an die Auflösung. Viel wichtiger ist aber der Kontrastumfang – also wie gut sehr dunkle und sehr helle Stellen abgebildet werden können, ohne dass Schatten „absaufen“ oder Lichter „ausfressen“. Negativfilme sind nicht so kritisch, aber Diafilme sind in der Hinsicht eine echte Herausforderung. Makroobjektiv Ein gutes Makroobjektiv, das scharf bis in die Ecken abbildet und möglichst nicht verzeichnet, ist auch hier gut eingesetzt. Die Brennweite ist nicht so wichtig, nur der Abbildungsmaßstab sollte reichen, um das Bild formatfüllend abzulichten. Reproständer Man kann es auch mit einem Stativ versuchen, es ist aber unpraktisch, weil die kleinste Verschiebung seitlich oder in der Höhe immer wieder korrigiert werden muss und in der Regel auch die Arbeitshaltung dabei nicht besonders bequem ist. Wer etwas Geduld hat, findet vielleicht etwas geeigentes Gebrauchtes, es kommt nur darauf an, dass der Aufbau möglichst massiv ist und eine gut dosierbare Höhenverstellung hat.

20150104-2044-THLR-4Leuchtplatte

Eine gute kleine Leuchtplatte mit einer tageslichtähnlichen Farbtemperatur ist nicht kostspielig, die benötigte Größe hängt natürlich vom verwendeten Filmformat ab. Hier ist aber etwas Bastelarbeit angesagt: Ich habe eine Filmführung aus dünnen Polystyrolstreifen aufgeklebt, das Material gibt es günstig im Modellbauhandel. Damit hat man einerseits eine Hilfe, den Film rasch an die richtige Position zu bringen, andererseits wird eine bessere Planlage gesichert. Außerdem habe ich noch Magnete an die Unterseite geschraubt und Metallstücke auf die Grundplatte des Reproständers geklebt, damit die Leuchtplatte nicht so leicht verrutscht, aber dennoch gut positioniert werden kann.

Aufnahmepraxis

20150104-2053-THLREs beginnt damit, den Film in die Führung zu schieben, den Bildausschnitt zu finden und zu fokussieren. Dabei sollte man mit der Sucherlupe in alle Ecken fahren, um sicherzustellen, dass die Kamera genau parallel zum Film ausgerichtet ist. Ich habe immer einen L-Winkel an der Kamera und am Reproständer ist die passende Arcaswiss-Klemmung montiert. Damit ist die Kamera auch beim nächsten Mal wieder gleich gerade ausgerichtet. Eine Alternative dazu wäre ein Makroschlitten mit passender Klemmung, falls der Reproständer keinen Feintrieb besitzt. Am Objektiv zu fokussieren ist bei ordentlicher Displayvergrößerung eine ganz schön wackelige Angelegenheit. Die Belichtung ermittelt man am einfachsten im Modus „M“ mittels Histogramm. Dabei sollte man natürlich die Basis-Empfindlichkeit der Kamera (meistens ISO 100 oder 200) verwenden und jene Blende, bei der das Objektiv die beste Auflöung zeigt. 20150104-2054-THLR-5XAllerdings darf man die schrecklich geringe Schärfentiefe bei Maßstab 1:1 auch bei Blende 5,6 oder 8 nicht unterschätzen, deshalb muss der Film möglichst plan liegen. Bei einem Negativfilm kann man in der Regel den ganzen Film mit einer Einstellung durchknipsen, bei Diafilmen dagegen ist es so kritisch mit dem Konstrastumfang, dass ich von Bild zu Bild die Belichtungszeit nach Histogramm-Kontrolle leicht anpassen muss. Ausgelöst wird schließlich mit einem Fernauslöser, die kleinste Verwackelung führt sonst zu deutlichen Unschärfen. Ob der Aufbau verwacklungssicher ist, sollte man gleich beim Fokussieren überprüfen: Sucherlupe mit maximaler Vergrößerung aktivieren, Luft anhalten und beobachten, ob sich im Live-View etwas bewegt… Zum Schluss noch ein Aufnahmebeispiel mit dieser Konfiguration, aufgenommen mit der Sony A7r und einem Zeiss Makro-Sonnar 2,8/100mm (Contax-Version), bearbeitet in Lightroom, unbeschnitten: 20150105-1423-THLR-2