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DNG oder nicht? 8 Vorteile, 8 Nachteile

DNGEs gibt bereits eine Menge von Artikeln und Diskussionen im Web, ob man seine RAW-Files in DNG konvertieren soll oder nicht. Dabei reichen die Empfehlungen von “einziges archivsicheres Dateiformat” bis “tödliche Falle”. Als was jetzt!? Ich habe einfach mal recherchiert und Argumente dafür und dagegen zusammengetragen und aus meiner subjektiven Sicht kommentiert. Entscheiden muss trotzdem jeder selber, es ist – wie so oft – letztlich eine Frage der persönlichen Gewichtung der Argumente.

Vorteile

1. KLEINERE DATEIEN

Je nach Kameratyp bringt das mehr oder weniger, manche Kameras komprimieren aber selbst in ihren RAW-Formaten genau so gut. Die Kompression ist verlustfrei – solange man nicht die spezielle Lightroom-Option für die verlustbehaftete Kompression aktiviert.

2. SCHNELLERE VORSCHAUEN

Mit Lighroom 4 kamen mit “Fast Load Data” und “Tiled DNG” Funktionen zur Beschleunigung der Darstellung in Lightroom. Ob sich das spürbar auswirkt, hängt wohl von der Größe der Bilder und der Rechnerausstattung ab.

3. Datei-Integrität

Dank einer integrierten Prüfsumme kann die Integrität der Dateien geprüft werden. Das ist eine für die Archivierung wichtige Funktion, allerdings macht das Lightroom nicht selbsttätig im Hintergrund, sondern nur, wenn man die Überprüfung im Menü manuell startet.

4. Keine Sidecar-Files

Die XMP-Daten werden gleich in das DNG-File geschrieben, es werden keine zusätzlichen Sidecar-Files benötigt Das sieht zwar auf den ersten Blick praktisch aus, kann aber auch ein Nachteil sein (siehe Nachteile Punkt 6).

5. Einheitliches Dateiformat

Die Dateien von verschiedenen Kameras werden im gleichen Format archiviert. Für mich ist das ein klarer Pluspunkt. Auch wenn man mal mit einem exotischen Modell fotografiert hat, man hat ein gemeinsames Format für alle Raw-Dateien und solange man Software hat, die ein DNG verarbeiten kann, ist alles geklärt.

6. Kamera-unabhängige Verarbeitung

Ein DNG kann auch von Software verarbeitet werden, die nicht das entsprechende Kameramodell unterstützt. Das ist ein klarer Vorteil: Sobald eine Software DNG entwickeln kann, können alle Dateien damit verarbeitet werden, egal von welcher Kamera sie kommen. Aber – siehe auch Nachteil 5.

7. DNG ist offen

Das DNG-Format ist offengelegt und lizenzfrei und archivsicherer als proprietäre RAW-Dateien. Solange es Software gibt, die DNG verarbeitet, mag das stimmen. DNG ist aber auch ein bisschen eine Heirat mit Adobe…

8. Copyright- und Kontaktinformationen im DNG

Falls die RAW-Daten mal weitergegeben werden müssen, sind bei DNG Copyright- und Kontaktinformationen in der Datei enthalten. Natürlich sind sie nur dann drin, wenn man irgendwann mal dafür gesorgt hat, dass sie reingeschrieben werden – z.B. beim Import in den Rawkonverter.

Nachteile

1. Import langsamer

Der Import etwa in Lightroom dauert länger, klar, weil die DNG-Dateien erst generiert werden müssen.

2. DNG ist nicht das Original

Das DNG ist nicht mehr das (unberührte) Original-Kamerafile, das eventuell einmal als Beleg benötigt wird. Man kann aber die Original-RAWs noch extra archivieren oder das Original-RAW in das DNG-File einbetten. In beiden Fällen braucht man dafür dann den doppelten Platz.

3. Risiko Konvertierung

Eine fehlerhafte Konvertierung, z.B. durch eine neue Camera-Raw-Version für einen neuen Kameratyp könnte die Daten beschädigen und die Originaldatei der Kamera wäre dann nicht mehr verfügbar. Ich kennen da keinen konkreten Fall, aber es gab die Situation, dass bestimmte Kamera-RAWs nur in lineare DNGs konvertiert werden konnten (wo das Demosaicing bereits bei der Umwandlung gemacht wird). Adobe hat aber extra auf diesen Umstand hingewiesen.

4. Informationen gehen verloren

Eventuell gehen proprietäre Zusatzinformationen, die mit der herstellereigenen Software ausgelesen werden können, verloren (z.B. Fokuspunkt). Es geht dabei allerdings nur um spezielle Infos, die mit dem kameraeigenen Rawkonverter ausgelesen werden können.

5. DNG wird nicht immer unterstützt

Ein mit Lightroom bzw. CameraRaw konvertiertes DNG kann nicht mehr mit jedem Rawkonverter verarbeitet werden. Derzeit haben wir also die paradoxe Situation, dass gängige kameraunabhängige Rawkonverter praktisch alles Kameramodelle unterstützen, auch Kameras, die direkt DNG-Dateien schreiben, aber nicht alle unterstützen ein Adobe-konvertiertes DNG!

6. Backup-Nachteile

Die XMP-Daten im DNG-File sind eventuell ein Nachteil für die Backup-Software, weil öfters die gesamte Datei verändert wird und dann auch wieder gesichert werden muss. Das hängt im Einzelfall von der Backupsoftware ab. Zerlegt die Software die Dateien vorab in Blöcke und sichert nur geänderte Blöcke (wie z.B. Crashplan), dann spielt das praktisch keine Rolle.

7. Original wird beschrieben

Da die Metadaten bei der Bearbeitung in die Datei geschrieben werden, ist grundsätzlich auch die Möglichkeit der Beschädigung der Datei gegeben. Ein Beispielfall dazu ist mir allerdings nicht bekannt. Aber wem seine RAW-Dateien heilig sind, der möchte das vielleicht nicht.

8. Mangelnde Verbreitung

DNG als Rawdatenformat ist noch nicht besonders verbreitet. Das kann ich zwar jetzt nicht belegen, aber aus diversen Forendiskussionen habe ich den Eindruck, die meisten bleiben lieber bei ihren Kamera-Raws. Ohne große Verbreitung bleibt DNG aber nicht mehr als eine Bindung an Adobe-Software.

Was heißt das jetzt?

Es gibt immer wieder Behauptungen und Gerüchte um Qualitätsverschleichterungen durch die Konvertiertung in DNG. Ich kann das nicht nachvollziehen: Ein RAW in Lightroom entwickelt und das gleiche Bild beim Import in DNG umgewandelt – wenn ich die Bilder dann beide als 16 Bit Adobe RGB in Photoshop vergleiche, bekomme ich die genau gleichen Farbwerte. Es gibt allerdings RAW-Konverter, die von sich behaupten, sie hätten die Entwicklung kameramodellspezifisch optimiert, und diese Optimierung würde mit einem konvertierten DNG dann nicht stattfinden (z.B . Capture One Pro – siehe http://www.phaseone.com/de-DE/Search/Article.aspx?articleid=2067&languageid=1)

Eines gäbe es außerdem noch zu bedenken, bevor man beschließt, seine Dateien zu konvertieren: Es ist höchstwahrscheinlich auch in vielen Jahren noch möglich, seine Dateien in DNG zu konvertieren. Es ist aber nicht möglich, DNGs in kameraspezifische RAWs wieder zurückzuverwandeln – ausgenommen, man hat das Original-RAW in das DNG eingebettet, was aber ja doppelte Dateigröße bedeutet.

Nebenbei: Wer über Langzeit-Archivierung seiner Bilder nachdenkt, sollte das fertige Bild dabei nicht vergessen. Ein RAW-File plus das “Entwicklungsrezept” als XMP macht noch kein fertiges Bild: Dafür braucht es auch noch die dazu passende Engine des Rawkonverters, das ist keine stabile Archivierung, ein “Master-Tiff” wäre da schon viel besser!

Was ich jetzt mache? Ich weiß nicht recht. Ein einheitliches “digitales Negativformat” wäre schon wünschenswert. Aber gerade Nachteil 5 gefällt mir so gar nicht. Derzeit bleibe ich noch bei meinen Kamera-Raws, aber vielleicht habt ihr noch andere Argumente?