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Fotos vergrößern mit Lumi Inkodye

Für das Modul “Bildkomposition” im Lehrgang der Prager Fotoschule Österreich suchte ich eine Technik, bei der ich in der Vergrößerung eines Bildes handwerklich eingreifen konnte. Also kein Photoshop-Filter oder -Pinsel sondern Bürste, Spachtel oder Pinsel in “real life”.

Es gibt natürlich eine Vielzahl von Wegen, ein Bild zu Papier zu bringen: Abgesehen von der herkömmlichen Methode mit Fotopapier gibt es vor allem eine Reihe von Edeldruck- oder Entwicklungsverfahren, die sehr schöne Ergebnisse bringen können: Bromöldruck, Cyanotypie, Kollodium-Nassplatten usw. Die haben aber eines gemeinsam: Man braucht eine nicht zu unterschätzende Einarbeitungszeit und einiges an praktischer Übung, um überhaupt zu guten Ergebnissen zu kommen. Mir ging es aber mehr um Experimente mit gewollter kompositorischer Bildveränderung, und da wollte ich mich nicht zu lange mit anspruchsvoller Handwerkstechnik aufhalten.

Beim Recherchieren über mögliche Techniken bin ich auch auf Inkodye von Lumi gestoßen, das sind farbige lichtempfindliche Emulsionen, mit denen man in erster Linie Motive auf T-Shirts anbringen kann. Die Methode ist ganz einfach: Man pinselt oder rollt etwas von der Emulsion auf den Stoff, pinnt eine Schablone darauf und legt das Ganze in die Sonne. wh-copper_1024x1024Anschließend wird das T-Shirt mit einem bestimmten Zusatz gewaschen, fertig. Warum das nicht auch mal für Papierbilder probieren? Dass es die Emulsionen in verschiedenen Farben gibt, ist natürlich eine prima Möglichkeit, das Bild damit individuell zu gestalten. Hier meine Lösung für Papierbilder:

Das Negativ

Die Emulsionen sind schwach empfindlich für UV-Licht, es braucht also Sonne oder UV-Lampe für die Belichtung, der Vergrößerer scheidet damit aus. Also muss ein 1:1-Negativ her. Irgendwo hab ich noch eine Schachtel Overhead-Folien in A3 gefunden, die man mit dem Laserdrucker bedrucken kann. Da beim Laserdruck das Schwarz noch nicht dicht genug ist, habe ich zwei Ausdrucke passgenau aufeinander montiert. Inkjetfolien und ein Tintenstrahldrucker mit Pigmenttinten wären da sicher eine gute Alternative.

Das Papier

Dieser Punkt ist wichtig, da man die nicht belichteten Emulsionen gut auswaschen muss, damit sie nicht mit der Zeit nachbelichten. Mit einem reinen Hadernpapier (100% Baumwolle) ist man am besten dran: Man kann es lange und gründlich auswaschen, ohne dass es in seine Einzelteile zerfällt.

Emulsion aufmalen

2014-10-29 09.26.59Die Fläschchen mit der Emulsion habe ich im Online-Fotohandel erstanden, eben so die Auswaschlösung “Inkowash”. Man darf nicht vergessen, die Fläschchen vor Gebrauch gut zu schütteln.

Ich wollte natürlich einzelne Bildteile in verschiedenen Farben wiedergeben. Damit ich auf dem weißen Papier ungefähr sehe, wo die Teile des Sujets zu liegen kommen, habe ich das Negativ auf eine Leuchtplatte gelegt und dann das Papier obendrauf, damit das Motiv als “Malhilfe” etwas durchscheint. Anschließend habe ich mit dem Pinsel gemalt oder aufgetupft und bei Bedarf überschüssige Farbe mit Küchenrolle wieder abgetupft (es sollten keine zu nassen Stellen oder gar Pfützen entstehen, sonst funktioniert die Belichtung dort nicht so gut).

Belichten

2014-10-29 09.40.54Das bemalte Papier kommt dann auf eine Holzplatte, das Negativ drauf und ich haben noch eine Glasplatte aus einem alten Scanner verwendet, damit das Negativ dicht auf dem Papier liegt und das Bild nicht zu unscharf wird. (Die Glasplatte darf halt nicht zu viel UV-Lichtanteile sperren, sonst wird’s nichts.) Dann etwa 10 Minuten in der Sonne (oder 1/2 Stunde bei bedeckten Himmel) belichten. Im Winter muss man noch beachten, dass es nicht zu kalt sein darf – bei etwa 0 Grad oder darunter hat bei mir die Belichtung nicht mehr gut funktioniert.

Auswaschen

2014-10-29 10.15.55Es gibt eine eigene Waschlösung namens “Inkowash” dafür zu kaufen und die habe ich auch für das Papier verwendet. Wieviel Inkowash man dem Wasser zugeben soll, steht nirgends, ich hab halt so 2 Esslöffel für eine 30 x 40 große Schale verwendet, das hat gut funktioniert. Zuerst habe ich aber noch das Papier mit warmem Wasser gespült und danach eine Zeitlang in der Waschlösung eingeweicht und zuletzt schließlich mehrmals mit Wasserwechsel noch “gewässert” – insgesamt etwa 2 Stunden lang. Ich hab aber nicht probiert, ob es auch mit kürzerem Auswaschen geht. Dann trocknen und je nach Vorliebe glatt pressen, fertig.

20150419-1918-THLR-3Viel Spaß bei euren eigenen Versuchen!